Presseberichte über UhrenPreisSpiegel

Rendite mit Tick

Von Manfred Rolfsmeier Hamburg (dapd)

Hochwertige Uhren mit attraktiver Wertsteigerung. Rendite von rund 10 Prozent jährlich Nachfrage bei Taschenuhren explodiert. Alte und antike Luxusuhren erleben einen Boom.

Insbesondere die mechanischen Zeitmesser der Schweizer Edelmanufakturen sind bei Sammlern heiß begehrt. Angeheizt wird der Markt durch die zunehmende Sammelleidenschaft in Asien. Die Nachfrage ist größer als das Angebot und sie steigt weiter, sagt Stefan Muser, Geschäftsführer beim renommierten Auktionshaus Dr. Crott. Besonders gefragt sind aktuell hochwertige mechanische Taschenuhren, die auf Auktionen Höchstpreise erzielen. Als kurzfristiges Spekulationsobjekt eignen sich Luxusuhren allerdings nicht. Mindestens fünf bis zehn Jahre dauert es nach Ansicht der Experten, bis eine Uhr signifikant an Wert zulegen kann.

Im Fokus der Sammler stehen insbesondere mechanische Uhren aus den 40er bis 70er Jahre.

Zu den begehrten Marken zählen die Modelle der Schweizer Manufakturen von Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet sowie des sächsischen Traditionsherstellers A. Lange & Söhne, sagt Buchautor Michael Brückner (Uhren als Kapitalanlage). Bei Modellen dieser Hersteller machen Anleger nichts falsch. Aber auch Uhren kleinerer deutscher Hersteller wie Glashütte, Sinn, Nomos oder Marcello C könnten durchaus ihren Wert steigern. Zudem seien die Preise für Neuware bei den Juwelieren oft Verhandlungssache und Rabatte bis zu 20 Prozent möglich.

Nur wenige Uhren taugen als Wertanlage.

Bei einer beliebigen Luxusuhr warten Besitzer allerdings meist vergeblich auf eine Wertsteigerung. Nur wenige Modelle renommierter Hersteller haben Potenzial, 80 Prozent taugen nicht als Wertanlage, sagt der Buchautor Brückner. Quarzuhren oder modische Zeitmesser hätten keine Chance am Markt. Ist eine Uhr hingegen besonders exklusiv, technisch kompliziert oder hatte sie einen berühmten Vorbesitzer, dann steige sie im Wert. Das gelte typischerweise für hochwertige Chronometer in klassischem Design. Hier können Anleger eine jährliche Wertsteigerung von 10 Prozent erwarten, sagt Brückner.

Als Beispiel für exorbitante Preissteigerungen bei Armbanduhren gilt die Rolex Daytona mit dem Paul Newman Zifferblatt. Sie war laut Muser in den 80er Jahren noch für rund 1.000 D-Mark zu bekommen und erzielt heute rund 60.000 Euro. Referenzmodell bei den Taschenuhren ist die Lange & Söhne mit Minutenrepetition, Chronograph und ewigem Kalender. 1980 auf den Auktionen noch für 70.000 D-Mark zu haben, wird sie aktuell für rund 320.000 Euro gehandelt. Taschenuhren haben aktuell das größte Potenzial, denn die Nachfrage ist geradezu explodiert, sagt Muser. Selbst No-Name-Produkte mit hohem technischen Anspruch oder edlen Gehäusen seien gefragt. Und mit der steigenden Zahl der Millionäre in Asien werde die Nachfrage weiter zunehmen.

Auktionen als Preisindex.

Der Wert von Uhren lässt sich am besten anhand der

Auktionsergebnisse überprüfen.

Einen überblick bietet die Online-Plattform Uhrenpreisspiegel des Experten Bernd Benkner, dessen Datenbank derzeit rund 20.000 Modelle beinhaltet. Vor dem Kauf sollten Interessenten unbedingt die Preise vergleichen, sonst zahlen sie unter Umständen drauf, sagt Benkner. Auch er sieht ein steigendes Preisniveau bei Taschenuhren, auch deutsche Edelmarken seien zunehmend gefragt, das gelte auch für seltene Stahluhren. Als Beispiel nennt Benkner die Patek Philippe Nautilus 3712. Die kam 2006 zum Neupreis von 15.300 Euro auf den Markt und wird aktuell zu Preisen von rund 37.000 Euro gehandelt.

Viele Fälschungen in Umlauf.

Ob alt oder neu: Wer sich eine Luxusuhr zulegen will, der sollte darauf achten, tatsächlich ein Original zu erhalten, denn fast alle teuren Modelle werden gefälscht. Fälschungen sind ein großes Problem bei alten und neuen Luxusuhren, sagt Muser. Die Nachbauten seien vielfach von hoher Qualität und oft auch von Experten nicht als solche zu erkennen. Die meisten Fälschungen kommen derzeit aus Osteuropa und Italien. Käufer sollten sich daher vom Verkäufer immer schriftlich bestätigen lassen, dass es sich um ein Original handelt, rät Muser.

Unterdessen verbucht auch Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie eine steigende Nachfrage. Sorgte die Finanzkrise 2009 noch für einen kräftigen Export-Einbruch, ist der Absatz zwischen Januar und Oktober 2010 bereits wieder um rund 21 Prozent auf 12,8 Milliarden Schweizer Franken gestiegen.