Presseberichte über UhrenPreisSpiegel

Uhren als Investition

F.A.Z Frankfurter Allgemeine Zeitung: 24.01.10
Von Friederike Haupt F.A.Z.

Reich werden mit der Rolex vom Dachboden

Edle Uhren sind schön, nützlich und manchmal auch eine gute Geldanlage - denn sie können enorm an Wert gewinnen. Wer profitieren will, sollte allerdings Zeit haben. Und schon ein kleiner Schaden kann den Preis empfindlich drücken.

Bruce Springsteen hat eine von Glashütte, der Dalai- Lama eine Rolex, und Barack Obamas Handgelenk ziert ein Stück aus dem Hause Tag Heuer: Luxusuhren dienen Prominenten, ob aus dem Showgeschäft oder der Politik, als Zeichen von Stil und Status. Anders als teurer Schmuck sind sie auch praktisch: Sie zeigen die Zeit, manchmal das Datum, den Wochentag und mehr an - und das viel schöner, als ein schnödes Mobiltelefon es kann.

Eine wertvolle Uhr kann aber auch ein Investitionsobjekt sein. Das zeigt etwa der Fall der teuersten Uhr, die Stefan Muser, Auktionator und Inhaber des Uhrenauktionshauses Dr. Crott, je verkauft hat: Eine stählerne Armbanduhr aus dem Hause Patek Philippe - sie stammte aus einer Erbschaft - schätzte Muser vor fünf Jahren auf einen Wert von 200.000 Euro. Doch bei der Auktion bot schließlich ein Sammler 1,3 Millionen Euro. Von einem solchen Glücksfund auf dem Dachboden träumen viele.

Durch die Finanzkrise sind Uhren als solide Geldanlagen wichtiger geworden. Zwar sind die Exportzahlen der Schweizer Uhrenhersteller im Jahr 2009 deutlich zurückgegangen - im Vergleich zum Vorjahr sank der Umsatz um rund 22 Prozent auf etwa 8 Milliarden Euro. Doch in zehn der dreißig wichtigsten Märkte stieg die Nachfrage schon wieder, wie der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie Ende letzten Jahres mitteilte. Allein nach China sei ein Drittel der gesamten Schweizer Uhrenproduktion exportiert worden. Dass asiatische Anleger schon seit Jahren immer mehr Interesse an Luxusuhren zeigen, hat auch Auktionator Muser festgestellt: Von den rund 2000 Uhren, die er im Jahr versteigert, geht die Hälfte nach Fernost.


„Für gute Ware kriegen wir mehr Geld als früher“

Während aber die Kunden bei

fabrikneuen Luxusuhren jüngst sparsamer als zu Boomzeiten waren, kaufen sie vermehrt alte und antike Zeitmesser. Das Auktionshaus Dr. Crott etwa machte 2009 rund 8 Millionen Euro Umsatz - 2008 waren es nur etwa 7,2 Millionen gewesen. „Uns hat die Krise genutzt“, sagt Inhaber Muser. „Die Preise ziehen an, für gute Ware kriegen wir mehr Geld als früher.“ Doch bei der Flucht in Sachwerte müsse beachtet werden, dass nicht jede teure Uhr ein Vielfaches an Wert gewinnt. „Uhren sind in der Hinsicht wie Aktien“, sagt Muser. Kaum jemand, der keine Ahnung habe, könne sinnvoll investieren; Schnäppchen seien selten.

Hintergrundwissen können Kaufinteressierte vor allem in der Fachliteratur finden und sich durch die Beobachtung von Auktionen aneignen. Die Preise etwa, die Sammleruhren in den wichtigsten Uhrenauktionshäusern erzielen, stellt Bernd Benkner auf der Internetseite Uhrenpreisspiegel.de zusammen. Dort sammelt er auch Informationen zu den gehandelten Uhren, beispielsweise die Preise, für die gleiche Modelle bereits versteigert wurden. So lässt sich erkennen, welche Modelle auffällig an Wert gewonnen haben.
Einige Anhaltspunkte dafür, dass eine Uhr als Geldanlage taugt, stehen für Benkner aber fest. So spiele das Fabrikat eine große Rolle: Patek Philippe, Rolex und Audemars Piguet zählten zu den Marken, mit denen man kaum etwas falsch machen könne. Auch Uhren der deutschen Hersteller A. Lange & Söhne und Glashütte seien bei Sammlern begehrt. Zudem sei das Modell entscheidend. Seltene Stücke oder das erste aus einer Serie seien besonders begehrt, und auch kleinere Hersteller überraschten gelegentlich mit einer Uhr, die weit über das Niveau der sonstigen Produktion hinausreiche. Auch weist Benkner auf den „Zeitgeschmack“ hin: Je neutraler sich eine Uhr zu Trends in der Gestaltung verhält, desto eher bietet sie sich als Investitionsobjekt an. Der gegenwärtige Geschmack vieler Käufer tendiere allerdings ohnehin in Richtung klassisch: „Etwas einfacher gestaltete Zifferblätter, oft nur zwei Zeiger.“ Auch weiße Materialien (etwa Weißgold, Platin und Silber) sind bei den Sammlern en vogue.

Die Zusatzfunktionen, die eine Uhr neben der Zeitanzeige hat, spielen ebenfalls eine Rolle beim Preis. Daneben ist der Zustand relevant. Deshalb geben die Auktionshäuser in ihren Katalogen akribische Beschreibungen der angebotenen Stücke: Vom mechanischen Uhrwerk bis zum Zifferblatt wird alles bewertet. Schon ein kleiner Schaden kann den Preis empfindlich drücken. Wer die Uhr, die er als Geldanlage erwirbt, auch täglich am Handgelenk tragen möchte, sollte sich dessen bewusst sein.

Als kurzfristiges Spekulationsobjekt taugen Uhren Benkners Ansicht nach nicht: „Eine Geldanlage ist nur langfristig möglich.“ Auch Muser schätzt den Zeitraum, den eine Uhr braucht, um signifikant an Wert zuzulegen, auf fünf bis zehn Jahre. Um die Preise, die er bei Auktionen als Zielwerte angibt, zu bestimmen, greift er vor allem auf Erfahrungswerte zurück. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass solche Voranschläge weit übertroffen werden, so etwa bei einer Christie's-Auktion in Genf im November 2009. Dort erzielte eine Rolex aus Stahl statt der veranschlagten 66.000 Euro 172.000 Euro - „ein bisher nicht erreichtes Ergebnis“, konstatiert Benkner. Auch in niedrigeren Preisklassen ist das möglich.

Bei derselben Auktion wechselte eine Patek Philippe für 8865 Euro den Besitzer, die auf weniger als ein Viertel dieser Summe geschätzt worden war. Der Gesamtumsatz der Auktion betrug mehr als 12 Millionen Euro (allein eine Patek Philippe in Gelbgold brachte gut 1,6 Millionen Euro ein) und war damit die erfolgreichste Uhrenauktion des vergangenen Jahres.

über mangelnde Nachfrage oder gedrückte Preise können sich die Auktionatoren nicht beschweren. Aber sowohl der Christie's-Uhrenexperte Aurel Bac als auch Muser von Dr. Crott klagen über Probleme bei der Nachschubbeschaffung: „Es wird schwieriger, gute Uhren zu finden“, sagt Muser. Er vermutet, dass viele in der Krise an ihrer alten Uhr festhalten, statt sie zu Geld zu machen.